Die Frage kommt gerade in fast jedem Gespräch: Warum kostet mein Transport plötzlich mehr als im Frühjahr? Die ehrliche Antwort ist unbequem, weil sie nicht bei der Spedition anfängt, sondern rund 5.000 Kilometer entfernt. Drei Entwicklungen treffen im Moment gleichzeitig auf die Straße – und keine davon lässt sich wegdisponieren. Hier die Kette, Glied für Glied.
Es beginnt in der Straße von Hormus
Iranische Revolutionsgarden haben die Straße von Hormus gesperrt, nachdem Luftangriffe begonnen hatten. Durch diese Meerenge laufen normalerweise rund 20 Millionen Barrel Öl pro Tag – etwa ein Fünftel des Weltbedarfs. Der Brent-Preis sprang zeitweise auf 112 US-Dollar je Barrel und später auf 126 US-Dollar.
Entscheidend für den Güterverkehr ist aber nicht der Rohölpreis an sich, sondern welche Produkte am stärksten reagieren: Diesel, Kerosin und Bunkeröl zeigen die deutlichsten Preissprünge. Also genau die Kraftstoffe, die Lkw, Flugzeuge und Schiffe bewegen.
Was das am Lkw ankommen lässt
In Deutschland kostete Diesel am 15. Juli 2026 im Schnitt 2,152 Euro je Liter – 27,3 Cent über dem Durchschnitt der vorangegangenen 30 Tage (1,879 Euro). Im Jahresvergleich liegt der Preis rund 51 Cent je Liter höher, allein im letzten Monat kamen etwa 34 Cent dazu. Auf EU-Ebene stieg Diesel von Ende Q4 2025 bis Ende Q1 2026 von 1,56 auf 1,96 Euro je Liter, ein Plus von 26 Prozent.
Für ein kleines Fuhrunternehmen ist das keine Statistik, sondern eine Rechnung, die irgendwann nicht mehr aufgeht. Die Folge: Fahrzeuge werden abgestellt statt bewegt. Nach dem Transportbarometer von TIMOCOM boten Frachtführer im zweiten Quartal 2026 EU-weit 10,8 Prozent weniger Lkw an als im Vorjahresquartal, in Deutschland 13 Prozent weniger.
Gleichzeitig stiegen die Frachteingaben EU-weit um 23,8 Prozent. Mehr Ladung, weniger Fahrzeuge – das Fracht-Laderaum-Verhältnis lag im Juni bei 85 zu 15 (April 86, Mai 87 Prozent Frachtanteil). Die Spotpreise zogen entsprechend an: innerdeutsch auf 2,10 Euro je Kilometer (plus 13,4 Prozent), EU-weit auf 1,81 Euro je Kilometer (plus 12,8 Prozent).
Gunnar Gburek, Head of Business Affairs bei TIMOCOM, ordnet das Quartal so ein:
„Der Quartalsverlauf zeigt: Nach einem starken April und Mai hat der Schwung im Juni nachgelassen. Von einer Entspannung des Marktes kann dennoch nicht gesprochen werden. Das Fracht-Laderaum-Verhältnis lag auch im Juni noch bei 85 zu 15."
Eine Einordnung, die dazugehört: TIMOCOM misst den Spotmarkt auf der eigenen Plattform, also kurzfristig ausgeschriebene Ladung. Das ist ein guter Frühindikator für Knappheit, aber es ist nicht der gesamte Transportmarkt. Langfristige Kontrakte bewegen sich anders und langsamer.
Und dann ist da noch der Rhein
Der Pegel Köln lag zuletzt bei 1,23 Meter im Tagesmittel. Ein Schiffer sagte dazu, so etwas habe er in 45 Berufsjahren nicht erlebt. Binnenschiffe fahren teils mit einem Drittel ihrer Normalladung, Kleinwasserzuschläge werden fällig. Der naheliegende Ausweichweg fällt zudem in Teilen aus: Seit dem 10. Juli wird die rechte Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden saniert.
Was nicht mehr aufs Schiff passt und nicht auf die Bahn kann, landet auf dem Lkw. In einem Markt, in dem ohnehin 13 Prozent weniger Fahrzeuge angeboten werden.
Hier sind wir bei einem Punkt, der uns unmittelbar betrifft, aber anders, als man vermuten könnte. Vehar logistiko fährt Straße, kein Binnenschiff. Vom Niedrigwasser sind wir nicht direkt betroffen. Was ankommt, ist die zweite Runde: Ladung, die vorher auf dem Wasser lief, konkurriert jetzt um denselben Laderaum wie Ihre Paletten. Und das passiert ausgerechnet in unserem Korridor – wir sitzen in Mülheim an der Ruhr, mitten in der betroffenen Region.
Was Versender jetzt konkret tun können
Gegen den Ölpreis kann niemand disponieren. Gegen Knappheit schon:
- Früher disponieren. Je kurzfristiger die Anfrage, desto eher landen Sie im Spotmarkt – also genau dort, wo die Preise am stärksten reagieren.
- Zeitfenster flexibel halten. Wer bei Abholung oder Zustellung einen Tag Spielraum lässt, wird deutlich leichter disponiert als eine Sendung mit fixem Termin.
- Sendungen bündeln. Zwei Paletten in einer Sendung sind planbarer als zweimal eine Palette an verschiedenen Tagen.
- Preise vergleichen, aber die Kette verstehen. Ein auffällig günstiges Angebot in dieser Marktlage bedeutet meist, dass jemand am Ende der Kette draufzahlt. Das trägt selten bis zur Zustellung.
Wie sich Transportpreise überhaupt zusammensetzen, haben wir in wie Transportpreise entstehen aufgeschlüsselt. Dass Transportpreise auch ohne Krisen saisonal schwanken, kommt erschwerend dazu.
Was das auf Ihrer Rechnung macht
In der Branche ist es üblich, den Kraftstoff aus dem Grundpreis herauszurechnen und separat als Dieselzuschlag auszuweisen – ein prozentualer Aufschlag, der sich mit dem Dieselindex bewegt. Wie das kalkuliert wird, haben wir im eigenen Beitrag aufgeschlüsselt, kurz nachschlagbar auch im Lexikon unter Dieselzuschlag. Der Vorteil dieser Methode: Sie ist transparent. Der Nachteil: Sie sehen bei der Buchung einen Preis und auf der Rechnung einen anderen.
Wir machen es anders. Bei uns ist der Diesel im Festpreis enthalten – es gibt keinen separaten Zuschlag, der später dazukommt. Der Preis, den Sie im Rechner sehen, ist der Preis, der auf der Rechnung steht. Bei einem Dieselanstieg von 51 Cent je Liter binnen eines Jahres ist genau das der Punkt: Das Risiko dieser Schwankung liegt bei uns, nicht bei Ihnen. Sie kalkulieren mit einer Zahl, die hält.
Ehrlich dazugesagt, weil sonst ein Versprechen entsteht, das keiner halten kann: Das heißt nicht, dass unsere Preise nie steigen. Was ein Transport kostet, kalkulieren wir mit dem Markt – wenn Diesel dauerhaft teurer wird, schlägt sich das irgendwann in den Preisen nieder, die Sie im Rechner sehen. Der Unterschied ist, wann Sie davon erfahren: vorher, bei der Buchung, und nicht hinterher als Posten auf der Rechnung. Eine gebuchte Sendung bleibt bei dem Preis, der bei der Buchung galt.
Wie lange das so bleibt
Das weiß niemand, und wer es Ihnen sagt, rät. TIMOCOM erwartet für das dritte Quartal saisonal schwächere Nachfrage, geht aber weiterhin von einem Frachtanteil über 80 Prozent aus. Über die weitere Entwicklung entscheiden laut Barometer vor allem die Kraftstoffkosten – und die hängen an einer Meerenge, über die in Düsseldorf oder Mülheim niemand mitbestimmt.
Was wir zusagen können, ist also kein Blick in die Zukunft, sondern Nachvollziehbarkeit: Sie sehen Ihren Preis, bevor Sie buchen, ohne Zuschlag im Kleingedruckten, und Sie haben einen benannten Ansprechpartner, der Ihnen sagt, woran es gerade liegt, wenn eine Strecke schwierig wird. In einem Markt mit 85 zu 15 ist das wenig glamourös, aber es ist ehrlicher als ein Versprechen, das der Ölpreis kassiert.
Transportkosten transparent berechnen oder direkt Transport beauftragen – der Preis steht vor der Buchung.
Häufige Fragen
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Warum wird mein Transport gerade teurer?
Drei Kräfte wirken gleichzeitig: Der Dieselpreis liegt rund 51 Cent je Liter über dem Vorjahr, Frachtführer bieten deshalb 13 Prozent weniger Lkw an als im Vorjahresquartal, und Niedrigwasser am Rhein verlagert zusätzliche Ladung auf die Straße. Weniger Fahrzeuge bei mehr Ladung führen zu steigenden Preisen.
Was hat die Straße von Hormus mit meiner Frachtrechnung zu tun?
Durch die Meerenge laufen normalerweise rund 20 Millionen Barrel Öl pro Tag, etwa ein Fünftel des Weltbedarfs. Nach der Sperrung stieg Brent zeitweise auf bis zu 126 US-Dollar je Barrel. Diesel reagiert dabei besonders stark – und Diesel ist einer der größten Kostenblöcke im Straßentransport.
Warum betrifft das Rhein-Niedrigwasser auch Lkw-Transporte?
Binnenschiffe fahren bei einem Pegel von 1,23 Metern in Köln teils nur mit einem Drittel ihrer Normalladung. Die Bahn fällt als Ausweichweg teilweise aus, weil seit dem 10. Juli die rechte Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden saniert wird. Die Ladung, die weder Schiff noch Bahn aufnehmen, konkurriert auf der Straße um denselben knappen Laderaum.
Kommt bei steigendem Diesel ein Zuschlag auf meine Rechnung?
Bei Vehar logistiko nicht. Der Diesel ist im Festpreis enthalten, einen separaten Dieselzuschlag gibt es nicht. Der Preis, den Sie im Rechner sehen, ist der Preis auf der Rechnung – eine gebuchte Sendung bleibt bei dem Preis, der bei der Buchung galt. Branchenüblich ist es anders: Dort wird der Kraftstoff als prozentualer Zuschlag separat ausgewiesen und bewegt sich mit dem Dieselindex.
Wie lange bleiben die Preise auf diesem Niveau?
Eine seriöse Prognose ist nicht möglich. TIMOCOM erwartet im dritten Quartal saisonal schwächere Nachfrage bei weiterhin über 80 Prozent Frachtanteil und nennt die Kraftstoffkosten als entscheidenden Faktor für die weitere Entwicklung.


