Zum Inhalt springen
Transportpreise

Die CO₂-Klasse Ihres Frachtführers steht auf Ihrer Rechnung

Balkenvergleich der Lkw-Maut je Kilometer: CO₂-Teilsatz 0,158 Euro, Infrastruktur 0,155 Euro, Lärm und Luft zusammen 0,035 Euro – in der Summe 0,348 Euro je Kilometer

Zwei Speditionen, dieselbe Strecke, dieselbe Sendung. Achtzig Euro Unterschied im Angebot. Die übliche Erklärung lautet: unterschiedliche Kalkulation, andere Marge, vielleicht ein besserer Einkauf. Meistens stimmt das auch.

Ein Teil dieses Unterschieds steht allerdings im Bundesgesetzblatt und lässt sich auf den Cent nachrechnen. Es ist der einzige Bestandteil Ihrer Frachtrechnung, bei dem das geht. Diesel schwankt, Personalkosten kennen Sie nicht, die Marge sowieso nicht — die Maut dagegen ist veröffentlicht, für jede Fahrzeugklasse, je Kilometer.

Die Maut besteht aus vier Teilen, nicht aus einem

Wer „Maut" sagt, meint meist einen Betrag. Tatsächlich sind es nach § 3 Abs. 1 des Bundesfernstraßenmautgesetzes vier getrennte Teilsätze, die addiert werden:

  • Infrastruktur — der Anteil für die Straße selbst
  • Luftverschmutzung — nach Schadstoffklasse des Fahrzeugs
  • Lärm — ein Fixbetrag
  • CO₂ — nach der CO₂-Emissionsklasse des Fahrzeugs

Der entscheidende Punkt daran: Nur der erste Teil hat mit der Straße zu tun. Die anderen drei hängen ausschließlich am Fahrzeug, das Ihre Sendung fährt. Zwei Lkw auf derselben Autobahn, gleiche Strecke, gleicher Tag — und trotzdem unterschiedliche Maut.

Was ein 40-Tonner wirklich je Kilometer zahlt

Nehmen wir die häufigste Konstellation im deutschen Fernverkehr: über 18 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht, fünf oder mehr Achsen, Abgasnorm EURO VI. Der klassische Sattelzug also, der den größten Teil des Stückguts in Deutschland bewegt.

Bestandteil Betrag je Kilometer
Infrastruktur (über 18 t, 4 und mehr Achsen) 0,155 €
Luftverschmutzung (Kategorie A, entspricht EURO VI) 0,023 €
Lärm 0,012 €
CO₂ (Klasse 1) 0,158 €
Summe 0,348 €

Auf dem Smartphone lässt sich die Tabelle seitlich wischen.

Alle Beträge stehen in Anlage 1 des Bundesfernstraßenmautgesetzes. Das ist keine Schätzung und keine Branchenzahl, sondern der Gesetzestext.

Fällt Ihnen etwas auf? Der CO₂-Anteil ist mit 0,158 € je Kilometer größer als der Infrastrukturanteil. Die Maut ist längst kein Straßennutzungsentgelt mehr, sondern überwiegend eine Emissionsabgabe. Wer nur die Straße im Kopf hat, versteht seine eigene Frachtrechnung nicht mehr.

Die CO₂-Klasse ist der größte Hebel — und der am wenigsten bekannte

Fahrzeuge werden in fünf CO₂-Emissionsklassen eingeteilt. Der zugehörige Teilsatz je Kilometer, wieder für über 18 Tonnen mit fünf oder mehr Achsen:

CO₂-Klasse € je Kilometer
1 (Standard EURO VI) 0,158
2 0,150
3 0,142
4 0,079
5 (emissionsfrei) 0,000

Auf dem Smartphone lässt sich die Tabelle seitlich wischen.

Zwischen Klasse 3 und Klasse 4 liegt ein Sprung, der alles andere in den Schatten stellt: Der Teilsatz halbiert sich fast. Rechnen wir denselben EURO-VI-Sattelzug einmal in Klasse 1 und einmal in Klasse 4:

  • Klasse 1: 0,155 + 0,023 + 0,012 + 0,158 = 0,348 € je km
  • Klasse 4: 0,155 + 0,023 + 0,012 + 0,079 = 0,269 € je km

Differenz: 0,079 € je Kilometer. Das sind 22,7 Prozent der gesamten Maut — für dasselbe Fahrzeugkonzept, dieselbe Strecke, dieselbe Ladung. Auf einer Relation von 500 Kilometern macht das 39,50 Euro Unterschied, allein aus einer Einstufung, die Sie als Auftraggeber nicht sehen.

Warum fast alle Lkw noch in Klasse 1 fahren

Die Klassen 2 bis 4 verlangen nachgewiesene CO₂-Minderungen gegenüber Referenzwerten. Ein normaler EURO-VI-Diesel, wie er heute in großer Zahl unterwegs ist, erfüllt das nicht — er landet in Klasse 1. Das ist kein Vorwurf an die Flotte, sondern eine Beschreibung des Bestands: Der weitaus größte Teil der heute fahrenden Fahrzeuge zahlt den höchsten CO₂-Teilsatz.

Für Sie als Versender heißt das: Wenn ein Angebot auffällig günstig ist, liegt es fast nie an einer günstigeren Mautklasse. Diese Erklärung scheidet in der Praxis meistens aus — und damit bleiben nur die Erklärungen, die Sie eigentlich interessieren.

Was passiert, wenn die Klasse nicht nachgewiesen ist

Ohne Nachweis gibt es keine bessere Einstufung. Ein Fahrzeug, das die Voraussetzungen einer höheren Klasse erfüllen würde, aber nicht entsprechend erfasst ist, wird wie Klasse 1 abgerechnet. Der Nachweis liegt beim Halter, nicht beim Auftraggeber — Sie können ihn nicht beibringen und nicht kontrollieren.

Ältere Fahrzeuge kosten doppelt

Ein Punkt, der in der Diskussion regelmäßig untergeht: Ein altes Fahrzeug wird zweimal belastet. Es zahlt einen höheren Teilsatz für Luftverschmutzung und landet automatisch in CO₂-Klasse 1.

Ein EURO-III-Fahrzeug zahlt für Luftverschmutzung nach Kategorie D 0,149 € je Kilometer statt 0,023 € — der Unterschied ist größer als der gesamte Lärm- und Infrastrukturanteil zusammen. Gesamtmaut: 0,155 + 0,149 + 0,012 + 0,158 = 0,474 € je Kilometer. Das sind rund 36 Prozent über dem EURO-VI-Fahrzeug in derselben Klasse.

Merksatz: Wer mit alter Flotte fährt, kann bei der Maut nicht sparen — er zahlt an zwei Stellen drauf.

Der Punkt, der Mautkosten unplanbar macht

Jetzt wird es unangenehm, und zwar für alle Beteiligten. Die Einstufung in die CO₂-Klassen 2 und 3 ist nicht dauerhaft. Sie wird alle sechs Jahre ab Erstzulassung neu ermittelt, auf Basis der dann geltenden Grenzwerte — so steht es in Anlage 1 Nr. 4 b BFStrMG in Verbindung mit Artikel 7ga der EU-Wegekostenrichtlinie.

Im Klartext: Ein Fahrzeug kann von Klasse 3 in Klasse 1 zurückfallen, ohne dass sich am Fahrzeug irgendetwas geändert hat. Die Grenzwerte wandern, das Fahrzeug bleibt stehen. Für den Frachtführer ist das ein Kostensprung mitten in der Nutzungsdauer, mit dem er bei der Anschaffung nicht sicher kalkulieren konnte.

Das ist der sachliche Kern hinter einer Frage, die uns Einkäufer regelmäßig stellen: Warum ist es so schwer, Transportpreise über längere Zeiträume festzuschreiben? Weil ein wesentlicher Kostenbestandteil sich ändern kann, ohne dass jemand etwas tut.

Was das für Ihre Frachtrechnung bedeutet

Rechnen wir es konkret. Bei 0,348 € je Kilometer kostet die Maut auf einer 500-Kilometer-Relation 174 Euro — für die gesamte Fahrt, nicht für Ihre Sendung.

Und genau hier liegt der Unterschied, den viele unterschätzen:

  • Im Sammelgut teilen sich viele Sendungen diesen Betrag. Je Sendung bleibt ein kleiner Anteil.
  • Bei der Direktfahrt trägt Ihre Sendung die 174 Euro allein.

Das ist der rechnerische Grund, warum Sammelgut günstiger ist — kein Verkaufsargument, sondern eine Division. Wann sich der Aufpreis für die Direktfahrt trotzdem lohnt, haben wir in Sammelgut oder Direktfahrt aufgeschrieben.

Die Maut ist dabei nur einer von mehreren Kostenblöcken. Wie sich ein Frachtpreis insgesamt zusammensetzt, steht in Wie entstehen Transportpreise; der zweite große bewegliche Posten, der Kraftstoff, in Dieselzuschlag in der Spedition.

Europa zieht nach, und jedes Land anders

Was in Deutschland gilt, bleibt nicht auf Deutschland beschränkt. Mehrere europäische Staaten haben zeitbezogene Vignetten durch entfernungsabhängige Mautsysteme ersetzt oder planen es. Für Versender hat das eine unangenehme Nebenwirkung: Auslandspreise werden dadurch weniger vergleichbar, nicht mehr.

Denn während in Deutschland vier Teilsätze in einer Anlage stehen, hat jedes Land seine eigene Systematik, eigene Fahrzeugkategorien und eigene Stichtage. Wer eine Relation ins Ausland vergleicht, vergleicht damit nicht nur Angebote, sondern implizit auch Mautsysteme. Welche Regeln dieses Jahr wo dazugekommen sind, steht in Neue Fahrverbote und Mautsysteme in Europa.

Die drei Fragen, die Sie Ihrem Frachtführer stellen können

  1. Ist der Mautanteil im Preis enthalten oder wird er nachberechnet? Das ist die wichtigste der drei Fragen, weil sie über Planbarkeit entscheidet.
  2. Was passiert bei Fahrzeugtausch oder Einsatz eines Subunternehmers? Wenn der Preis an ein konkretes Fahrzeug gekoppelt ist, ist er nicht wirklich fest.
  3. Ändert sich der Preis, wenn sich die Mautsätze ändern? Die Antwort darauf sollte in Ihrem Angebot stehen, nicht in einem späteren Schreiben.

Wie wir damit umgehen

Bei Vehar logistiko ist die Maut im Festpreis enthalten. Es gibt keine nachträgliche Mautkorrektur, keinen Zuschlag nach der Fahrt und keine Neuberechnung, weil ein anderes Fahrzeug eingesetzt wurde. Was Sie bei der Buchung sehen, ist der Betrag, der auf der Rechnung steht.

Das ist keine Großzügigkeit, sondern eine Entscheidung darüber, wer das Risiko trägt. Ein Versender kann die CO₂-Klasse eines Fahrzeugs weder auswählen noch nachprüfen — also gehört das Risiko auf unsere Seite. Was das für die Laufzeitwahl bedeutet, steht in Die Vehar-Versandtarife.

Den Preis für Ihre Strecke sehen Sie direkt: Versandkosten berechnen.

Wer die Maut grundsätzlich einordnen will, findet die Basis in LKW-Maut 2026. Warum Transportpreise 2026 zusätzlich unter Druck stehen, steht in Warum Ihr Transport gerade teurer wird. Und der Sonderfall am oberen Ende der Tabelle — CO₂-Klasse 5 — steht in E-Lkw und Ihre Frachtkosten.

Häufige Fragen

Auf eine Frage tippen, um die Antwort zu öffnen.

Wie hoch ist die Lkw-Maut pro Kilometer?

Für einen EURO-VI-Sattelzug über 18 Tonnen mit fünf oder mehr Achsen in CO₂-Klasse 1 sind es 0,348 Euro je Kilometer: 0,155 Infrastruktur, 0,023 Luftverschmutzung, 0,012 Lärm und 0,158 CO₂. Die Beträge stehen in Anlage 1 des Bundesfernstraßenmautgesetzes.

Was ist die CO₂-Emissionsklasse beim Lkw?

Eine Einstufung in fünf Stufen, die den CO₂-Teilsatz der Maut bestimmt. Klasse 1 ist der Standard für konventionelle EURO-VI-Fahrzeuge, Klasse 5 sind emissionsfreie Fahrzeuge. Die Einstufung hängt am Fahrzeug und wird vom Halter nachgewiesen.

Warum kostet dieselbe Strecke bei zwei Speditionen unterschiedlich viel Maut?

Weil drei der vier Teilsätze am Fahrzeug hängen, nicht an der Straße. Zwischen CO₂-Klasse 1 und 4 liegen 0,079 Euro je Kilometer — auf 500 Kilometern 39,50 Euro für dieselbe Fahrt.

Ist die Maut im Festpreis enthalten?

Bei uns ja. Der Preis, den Sie bei der Buchung sehen, enthält die Maut; eine Nachberechnung findet nicht statt. Bei anderen Anbietern lohnt sich die Frage — die Antwort steht nicht immer im Angebot.

Zahlen E-Lkw Maut?

Emissionsfreie Fahrzeuge fallen in CO₂-Klasse 5, der CO₂-Teilsatz beträgt dort 0,000 Euro je Kilometer. Die Einzelheiten zur Mautbefreiung stehen in unserem Beitrag zu E-Lkw und Frachtkosten.

Warum kann sich die Mautklasse eines Fahrzeugs verschlechtern?

Weil die Einstufung in die Klassen 2 und 3 alle sechs Jahre ab Erstzulassung anhand der dann geltenden Grenzwerte neu ermittelt wird. Ein Fahrzeug kann zurückfallen, ohne dass sich an ihm etwas ändert.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von unserer Redaktion fachlich geprüft.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

Kommentar hinterlassen

VEHAR LOGISTIKO

Versandkostenrechner Spedition

Transparente Transportpreise für Transportrelationen innerhalb Europas.
Ihren verbindlichen Festpreis erhalten Sie in wenigen Sekunden über unseren Preisrechner.

Jetzt Spedition beauftragen
Willkommen in unserer Frachtenbörse
Willkommen in unserer Frachtenbörse
Willkommen in unserer Frachtenbörse