Auf dem Lieferschein steht „CPT Wien". Klingt geregelt – bis die Ware unterwegs beschädigt ankommt und beide Seiten überzeugt sind, der jeweils andere trage den Schaden. Genau solche Fälle sollen die Incoterms verhindern. Sie tun es aber nur, wenn man die richtige Klausel wählt und weiß, was sie bedeutet. Die häufigsten Streitfälle entstehen nicht, weil keine Incoterm vereinbart war – sondern weil die falsche gewählt oder missverstanden wurde.
Was Incoterms regeln – und was nicht
Die Incoterms sind ein Regelwerk der Internationalen Handelskammer (ICC). Die aktuelle Fassung gilt seit dem 1. Januar 2020 und umfasst elf Klauseln. Jede beantwortet drei Fragen: Wer trägt welche Kosten? Wo geht das Risiko vom Verkäufer auf den Käufer über? Und wer kümmert sich um Ausfuhr, Einfuhr und die nötigen Papiere?
Genauso wichtig ist, was Incoterms nicht regeln. Sie sagen nichts über den Eigentumsübergang, nichts über das Zahlungsziel und nichts über das anwendbare Recht. Wer glaubt, mit der richtigen Klausel sei auch die Bezahlung abgesichert, irrt. Die Incoterm klärt die Logistik- und Kostenteilung – nicht den kaufmännischen Rest.
Die vier Klauseln, die Versender im B2B wirklich brauchen
Sie müssen nicht alle elf kennen. Für den typischen Straßenversand von Stückgut oder Teilladung sind vier relevant – alle für jeden Verkehrsträger geeignet:
- EXW (Ab Werk): Der Käufer holt bei Ihnen ab und trägt praktisch alles ab Ihrer Rampe. Minimum für Sie als Verkäufer – aber heikel, weil formal auch die Ausfuhrabwicklung beim Käufer liegt.
- FCA (Frei Frachtführer): Sie übergeben die Ware der vom Käufer benannten Spedition und erledigen die Ausfuhr. Der saubere Standard für die meisten Exporte.
- DAP (Geliefert benannter Ort): Sie liefern bis zum Zielort, der Käufer übernimmt die Einfuhrverzollung und zahlt die Einfuhrabgaben.
- DDP (Geliefert verzollt): Sie liefern komplett verzollt inklusive Einfuhrabgaben – das Rundum-sorglos-Paket für den Käufer, das Maximum an Pflichten für Sie.
Ein Hinweis zur Aktualität: Die frühere Klausel DAT heißt seit 2020 DPU (Geliefert benannter Ort entladen). Und die veraltete Klausel DDU aus alten Verträgen gibt es offiziell längst nicht mehr. Wer sie noch verwendet, arbeitet mit Terminen, die niemand mehr eindeutig auslegt.
Die C-Klausel-Falle
Der teuerste Irrtum steckt in den C-Klauseln (CPT, CIP und im Seeverkehr CFR, CIF). Hier zahlt der Verkäufer die Fracht bis zum Zielort – aber das Risiko geht schon viel früher über, nämlich bei der Übergabe an den ersten Frachtführer am Ursprung. Kosten- und Gefahrenübergang fallen also auseinander.
Konkret: Sie zahlen als Verkäufer den Transport bis Wien, doch wird die Palette auf halbem Weg beschädigt, trägt den Schaden der Käufer – nicht Sie. Das überrascht regelmäßig beide Seiten. Bei „CPT Wien" fühlt sich der Verkäufer verantwortlich, weil er ja die Fracht zahlt, ist es aber gefahrenrechtlich nicht. Wer diese Trennung nicht kennt, streitet nach dem Schaden über etwas, das die Klausel längst entschieden hat.
Welche Klausel bei Vehar-Sendungen sinnvoll ist
Für den typischen Stückgut- oder Teilladungsversand – etwa nach Österreich – sind FCA und DAP die Arbeitspferde. FCA, wenn der Käufer den Transport organisiert und Sie ihm die Ware nur sauber übergeben. DAP, wenn Sie liefern und dem Kunden nur die Einfuhr überlassen. DDP nur dann, wenn Sie dem Kunden bewusst alles abnehmen wollen – dann tragen Sie aber die Einfuhrabgaben und brauchen im Zielland unter Umständen eine eigene Registrierung.
Zwei ehrliche Einordnungen dazu. Erstens: Innerhalb der EU gibt es keine Einfuhrverzollung – der Unterschied zwischen DAP und DDP schrumpft dann auf die Frage der Anlieferung. Erst bei Drittländern wie der Schweiz oder Großbritannien wird die Zollabwicklung zum echten Kostentreiber. Zweitens: Incoterms ersetzen keinen CMR-Frachtbrief. Die Klausel regelt die Aufgabenteilung zwischen Käufer und Verkäufer; der Frachtbrief dokumentiert den Frachtvertrag und die Übergabe. Beides greift ineinander, ersetzt sich aber nicht.
Wir beraten Sie, welche Klausel zu Ihrer Sendung passt, und übernehmen Transport und auf Wunsch die Zollabwicklung. Wenn die Klausel steht, beauftragen Sie Ihren Transport hier.
Häufige Fragen zu den Incoterms 2020
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Was ist der Unterschied zwischen Incoterms 2010 und 2020?
Die Klausel DAT wurde in DPU umbenannt, CIP verlangt jetzt eine höhere Versicherungsdeckung, und FCA erlaubt einen optionalen Bordvermerk. Für Straßenversender ist die wichtigste Regel schlicht: keine veralteten Terme wie DAT oder DDU mehr verwenden.
Gelten Incoterms auch innerhalb Deutschlands oder der EU?
Ja, sie sind auch national nutzbar. Es entfällt nur die Einfuhrverzollung – geklärt werden vor allem Kosten- und Gefahrenübergang sowie die Anlieferung.
Wer legt die Incoterm-Klausel fest?
Sie wird im Kaufvertrag zwischen Käufer und Verkäufer vereinbart, nicht von der Spedition. Die Spedition setzt um, was die Parteien festgelegt haben.
Ersetzt eine Incoterm den Frachtbrief?
Nein. Incoterms regeln, wer welche Kosten und Risiken trägt. Der CMR-Frachtbrief dokumentiert den eigentlichen Transport und ist der Beleg im Schadensfall.


